No Sports (but…)
Hört man immer wieder: “Diät schaffe ich nicht, aber ich mache jetzt wieder mehr Sport”. Ich spreche hier nicht von Leuten, die rumjammern, weil sie 2 Kilo zu viel wiegen, sondern von wirklich übergewichtigen bis adipösen Menschen und kann nur sagen: Sport? Vergesst es! Mit Faulheit hat das nichts zu tun, ein nackter Blick auf die Zahlen reicht: Ein 120 Kilo schwerer Mensch verbrennt bei 30 Minuten Walken rund 300 kcal. Das klingt zunächst einmal viel, aber 1 kg Körperfett enthält mal eben 7000 kcal. Um das abzunehmen, müssen wir also einen ganzen Monat lang jeden Tag 30 Minuten walken. Ich kenne sehr viele Menschen (mich eingeschlossen), die es entweder nicht schaffen, so ein Programm in ihren Alltag zu integrieren, aber vor allem wird völlig unterschätzt, wie drastisch die Lebensumstellung für einen Unsportlichen ist, so etwas plötzlich täglich durchzuziehen.
Nicht falsch verstehen: Sport ist wichtig für die Gesundheit, aber man sollte sich keine falschen Vorstellungen davon machen. Es ist verdammt mühsam, das Ergebnis von Sportstunden auf der Waage zu beobachten. Vor allem, wenn man vielleicht einmal die Woche ins Fitness-Studio geht. Selbst das kriegen viele von uns ja nicht auf die Reihe. Wer also nicht gerade sehr viel Zeit und Geld und vielleicht noch einen persönlichen Trainer hat, sollte von Sport als Diätersatz bleiben lassen. Eine angemessene Anzahl Kalorien zu sich nehmen, ist wesentlich einfacher. Hinzu kommt, dass die Ernährungsumstellung plus ungewohntem Sport gleich zwei Dinge gleichzeitig sind, bei denen wir uns umstellen müssen. Umstellungen aller Art fallen den meisten Menschen aber sehr schwer. Es ist erheblich viel einfacher aber vor allem auch erfolgversprechender, sich nur eine größere Aufgabe auf einmal vorzunehmen. Die üblichen Neujahrsvorsätze sind gleich mehrere auf einmal und haben noch nie funktioniert. Sportliche Menschen mögen vielleicht weniger Probleme damit haben, sich ein hartes Programm zu verordnen, aber wenn sie trotzdem übergewichtig sind, heißt das, dass auch sie zu viele Kalorien verzehren.
Sport hat aber noch andere Tücken parat. Der Körper verbrennt zunächst einmal Zucker, bevor er auf Fettverbrennung umsteigt, was ein starkes Hungergefühl auslöst. Gerade bei Menschen, die Sport nicht gewöhnt sind, geht der Körper lieber an die Reserven, statt Fett zu verbrennen und schaltet auf Mangelhaushalt um, so dass wir nicht so schnell abnehmen. Wenn wir nicht sehr aufpassen, sind wir nach dem Sport so hungrig, dass wir den gesamten Effekt mit einer Mahlzeit wieder zunichte machen. Das schaft locker eine Currywurst mit Pommes nach dem Besuch im Fitness-Studio. Last not least, wer nicht “von Haus aus” sportlich ist und sich mühsam mit viel Willenskraft wochenlang ein Sportprogramm auferlegt hat, wird nach Ende dieses Sportprogrammes sehr bald wieder zunehmen, weil die Ernährung an den Sport angepasst ist, wir aber dazu neigen, ohne Sport weiter zu essen, wie zuvor.
Sport ist wichtig für Muskelaufbau, Kreislauf, Haltung und Gesundheit. Um diese Effekte zu erzielen, reicht es aber in der Regel nicht, eine Sportart zu betreiben, und das vielleicht noch wöchentlich. Die meisten Sportarten belasten und trainieren den Körper einseitig. Ich habe gute Erfahrungen mit leichtem, abwechslungsreichen Krafttraining gemacht, dessen Wirkungen ich heute noch spüre, obwohl es schon eine Weile her ist. Ansonsten helfen die üblichen Tipps: weniger Auto und mehr Rad fahren, kürzere Wege zu Fuß erledigen, Treppen steigen usw. Dazu kommt – nicht lachen – jeden Tag etwas Morgengymnastik. Die dauert nur wenige Minuten und kann übrigens zu jeder Tageszeit nachgeholt werden, wenn man es morgens nicht schafft. Hierzu kenne ich ein gutes Programm, das auch für den abgschlafftesten Bewegungsmuffel taugt, wenig Willenskraft verlangt und gute Resultate erzielt. Dazu ein andermal mehr.
jetzt kommentieren? 19. Juli 2010